Rede von der Antinationalen Nicht-Parade

Über die Notwendigkeit, Reichtum und Privilegien abzubauen

Materieller Reichtum an sich ist keine Schande. Wenn der Reichtum der einen allerdings die Armut der anderen bedeutet, ist er eine Schande. In der Welt, in der wir momentan leben, steht Reichtum eben nicht für sich, sondern ist zwangsläufig verbunden mit Armut. All der Luxus und Wohlstand, mit dem sich sogenannte zivilisierte Gesellschaften brüsten, baut auf Armut, Ausbeutung und Massenmord auf. Dies ist auch kein Geheimnis. Wir kennen die Geschichte der Kolonialisierung, wir wissen von den Bedingungen der ausgebeuteten Arbeiter*innen und der Erde und wir wissen auch, dass tagtäglich Menschen an Hunger sterben während sich andere nach dem Shoppen mit Kaviar und Champagner vollstopfen.

Um diese Schande zu wissen, und es zu ignorieren und sogar zu zelebrieren, ist die viel größere Schande. Die größte Schande aber ist, den Gebieten und Gesellschaften, die von den imperialistischen Mächten geschändet werden, Entwicklungsländer zu nennen und es so darzustellen, als wären sie lediglich nicht so weit fortgeschritten wie die reichen Gesellschaften und als würde sie nur etwas mehr Entwicklung brauchen. Dann auch noch geheuchelt mitleidsvoll diesen Gebieten Entwicklungshilfe aufzudrücken, was oft lediglich bedeutet, dort Strukturen zu etablieren, welche die postkoloniale Ausbeutung noch vereinfachen, ist einfach nur pervers.

Sollte es jemals der Wunsch von sogenannten sozial- oder christlich- demokratischen Strukturen gewesen sein, das Leid der Welt zu verringern, hätten sie eben aufgehört das Leid der Welt zu verursachen. Doch es ist offensichtlich in keinster Weise das Interesse der Machthaber*innen, ihrer hohlen Selbstbezeichnungen entsprechend zu handeln. Sogenannte Sozialleistungen dienen lediglich der Ruhigstellung und für die Anhänger*innen der Regierungen bedeutet es die Entlastung ihres schlechten Gewissens, falls doch noch ein Fünkchen Menschlichkeit in den versteinerten Herzen überlebt haben sollte. Was es für die Reichen und Privilegierten Menschen aber hauptsächlich bedeutet, das aktuelle System zu unterstützen, ist deren eigener Vorteil. Das Sichern von Reichtum und Privilegien ist tatsächlich die einzige Funktion die Machthaber*innen in kapitalistischen Strukturen erfüllen.

Wie können Unterstützer*innen solcher Regierungen es übers Herz bringen, ihre Interessen zu sichern, wissentlich, dass es gleichzeitig die Sicherung des Leids für den Großteil der Menschheit bedeutet?

Solidarität bedeutet nicht, einmal im Jahr an die Menschen zu spenden, die unter unmenschlichen Bedingungen die Produkte herstellen, die du kaufst. Solidarität bedeutet, aufzuhören die Welt zu knechten um selber im Wohlstand baden zu können. Es bedeutet, im Klartext, die eigenen Privilegien abzubauen und sich einzugestehen, dass sie nicht das Resultat von Fleiß und Arbeit sind, sondern dass es Diebstahl ist. Wer mehr Privilegien haben will als andere, beraubt sich deren Recht auf Leben, Freiheit und Glück, um selber mehr davon zu haben.

Ja, wir werden nun mal geboren, wo wir geboren werden. Es ist keine persönliche sondern eine kollektive, historische Schande, mit Privilegien geboren zu werden.

Es ist aber eine persönlich Schande, die Privilegien aufrecht halten zu wollen und sie auf unmenschliche Art und Weise zu missbrauchen. Wenn z.B. die Menschen, die von uns ausgebeutet werden, herkommen, um dem Elend zu entkommen und dann hier mit Rassismus und Abschiebungen bombardiert werden, dreht sich die Gerechtigkeit im Grab um.

Dies ist ein Aufruf an alle Herrschenden, Reichen und Privilegierten und diejenigen, die deren Interessen wahren wie Polizei, Militär und Grenzwächter*innen: Ja, die Verantwortung für die Zerstörung des Lebens, des Friedens und der Menschlichkeit liegt genau hier. Die westliche Gesellschaft vergewaltigt ihre hohlen Werte von Freiheit, Geschwisterlichkeit, Gleichheit und Nächstenliebe. Aber es ist noch nicht zu spät, sich zu besinnen und irgendwann in Würde zu sterben.

Für das glückliche, schöne Leben ist es nicht nötig in Überfluss zu schwimmen. Im Gegenteil. Menschen ertrinken daran und sehen nicht mehr, was wirklich zählt. Dass Status, Konsum und mehr und immer mehr nicht glücklich machen, sehen wir doch selber jeden Tag! Wer dies leugnet betrügt sich selber! Wie viele Milliarden Menschen hat diese egoistische Praxis der Gier schon gebrochen. Wenn wir nicht weiter andere und und selber brechen wollen, müssen wir mit diesem System brechen. Befreien uns aus diesem Kriegsspiel von Illusionen und Knechtschaft, können wir das wahre Leben erleben. Lasst uns Macht, Besitz und Geld von ihrem Thron stürzen und Liebe, Freiheit, Gemeinsamkeit und Solidarität zu mehr machen als Begriffen, sondern zu einer Lebenspraxis.

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