Statement zur Fête de la musique – Musik braucht Freiräume

Mukke gegen Grenzen

Heute ist ein ereignisreicher Tag, und ich rede nicht nur von dem Übel, das tagtäglich passiert, sondern will ich heute vor allem über Musik reden.
Die sogennante FETE DE LA MUSIQUE ist ein Tag, wo international die Musik zelebriert wird.
Zwar wird heutzutage die Musik (wie alles andere auch) missbraucht , um materiellen Profit zu erzielen, dennoch zelebrieren wir diesen Tag nicht ohne Grund!
Denn Musik ist mehr als angenehme Schallwellen, die unsere Geister beglücken. Und mittels der Musik kann so viel mehr erreicht werden, als Profit zu schlagen. Musik ist ein Schlüssel für den Wandel.
Sei es eine Gitarre auf der Straße, oder eine Wand aus hundertkilowatt schwerem Soundsystems.
Musik ist ein Mittel miteinander zu sein. Und uns verbindet alle diese Liebe zum Sound. Es liegt in unseren Wurzeln, und wir kommen zu uns und zueinander wenn die Musik uns tanzen lässt.

Wir als Menschen,die ein freies Leben suchen, in einer Gesellschaft voller Normen, Grenzen und Repressionen, wir brauchen Freiräume!
Die Macht der Musik ist fähig uns Freiräume zu schenken, wenn wir sie nutzen, denn Musik schafft Zonen der Autonomie und des Zusammenlebens. Auf musikalischen Veranstaltungen kommen Menschen zusammen, die sich sonst nicht begegnen würden, verschiedene Individuen, welche unterschiedliche Träume und Ideen mitbringen.
Plötzlich ist ein Raum da, in dem wir uns austauschen können, und in dem wir mit einander chillen, uns gegenseitig Sachen beibringen, oder einfach nur rumalbern können. Auf einmal ist eine temporäre Zone geschaffen, wo wir frei und unkommerziell zusammen sein dürfen, weil WIR es uns erlauben.
Problematisch wird es dann, wenn Menschen kommen, die glauben es uns verbieten zu können.MSF

Überall auf der Welt gibt es Repression, wir sind geboren in einer Verstrickung aus Strukturen, die uns verbieten so zu sein wie wir sind.
Seien es Schulen, Universitäten oder Arbeitsamt, die uns in eine Form pressen wollen. Sei es der Druck von Eltern, Direktoren, Chefs oder vermeidliche Autoritäten, die uns Gehorsam und Konformität beibringen wollen. Seien es Kontrolleure, Ordnugshüter mit Knüppel, Militär oder Zäune mit Stacheldraht.
Überall ist Repression, doch überall regt sich der Widerstand.

Die FETE DE LA MUSIQUE findet ihren Ursprung in Frankreich, wo heutzutage Free-Partys mit Leuchtgranaten, Tränengas und Blaulicht begleitet werden. Nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa gibt es sogenannte „Anti-Technogesetze“, die brutale Gewalt gegen friedliche Free-Partys provozieren. Doch wir lassen uns nicht verbieten! Dieses Jahr regt sich der Widerstand gegen all diese Repressalien. Jetzt sind gerade in Frankreich zur selben Zeit Soundsystems im ganzen Land verteilt und machen Mukke.
Vereint durch die Liebe zum Sound, und dezentral mit Hass und Wut gegen das System, das uns alle beugen will. Seit letztem Jahr haben sich in Frankreich verschiedene Soundsystems zum Kollektiv de la fête libre zusammengeschlossen. Sie veranstalten lautstarke Demos, um Sound gegen Repression zu machen.
Dort gibt es ebenfalls autonom organisierte Free-Partys, wo tausende von Menschen trotz Verbot und trotz Überwachung zusammenfinden, um gemeinsam Plätze zu besetzen und mit hunderten von Kilowatts fette Partys feiern. Sie haben die Schnauze voll auf die Fresse zu kriegen, und dass die Exekutive ihre Soundsystems konfiszieren.

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Der Begriff „Soundattentat“ wurde ins Leben gerufen. Militante Musikerinnen legen ein Paar Kilowatts auf die Straße (am besten alte beschädigte Boxen) und machen Sound bis die Hundertschaften antanzen. Dann wird die Kreuzung wieder freigegeben, und auf dem Asphalt brennen Benzin und Lautsprecherboxen, weil die Polizei die sonst eh eingesackt hätten.

Unsere Solidarität gegen Repression knüpft an dem Kampf gegen Rassismus und für gleiche Rechte für alle an. Seit tagen werden in Berlin, bundesweit und sogar Europaweit Grabstätten errichtet, um den tausenden von Toten, die in den tiefen des Mittelmeers keine Ruhe fanden, zu gedenken.
Es wurden Pflastersteine aus dem Bürgersteig gebrochen sowie Leichnamen beerdigt, mit den Körpern aber auch ein Traum.
Es wurden Wünsche gepflanzt und Menschen gewürdigt, Geschwister die gegangen sind, und Träume, die erblühen werden.
Visionen einer Zukunft ohne Grenzen, welche uns verbieten, ohne Grenzen, welche uns verletzen, ohne Grenzen, welche uns umbringen.

tbtp

Wir sind alle vereint, in der Liebe zur Musik, wie im Kampf für das Leben.
Wir kämpfen alle auf verschiedensten Ebenen und mit unterschiedlichsten Mitteln. Seien es künstliche Grabstätten auf dem Bürgersteig, Pflastersteine statt Schaufenster oder brennende Soundsystems auf der Straße.
Strukturen sind da, um uns zu spalten, um uns voneinander und von uns selber zu trennen.
Diese Grenzen bestehen zwischen Nationen, zwischen arm und reich, doch besonders in unseren Köpfen.
Die Musik ist da , um diese Grenzen aufzulösen, und vermag es diese Konstrukte zu sprengen ohne einer Gewaltspirale beizutragen, sonder eine Spirale der Freude, des Mutes, und des Vertrauens.

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Gibt es keine Gerechtigkeit, wird es keinen Frieden geben.
Und dauert diese Gewalt an, so werden wir keine Ruhe geben.
Wir werden weiterhin Musik machen, um Grenzen zu überwinden, um uns zu finden, miteinander zu tanzen, zu lachen, sich gegenseitig in den Arsch zu treten, um sich dann wieder in die Arme zu nehmen.

Wir sind da, um auf horizontaler Ebene zu kommunizieren, uns zu organisieren, und solidarisch auf allen Ebenen den Wandel zu bringen.

Respect Existance or Expect Resistance!

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